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Generator für postmoderne Essays

Ein Nachtrag zur Honneth-Sloterdijk-Debatte: Erstere ist der Wissenschaftler, letzterer der Ästhet.

Postmoderne Sozialwissenschaft zeichnet sich dadurch aus, widersprüchliche Wortgebilde zu erfinden, die zunächst Unverständnis, dann Bewunderung und letztlich ein unbekümmertes Schulterzucken verursachen. Wer das per Knopfdruck haben will, dem empfehle ich den "Postmodern Essay Generator" auf:

 http://www.elsewhere.org/pomo/

 Mit jedem "Neu-laden" bzw. "ReFresh" der Seite wird ein neuer Aufsatz zu postmodernen Themen (auf Englisch) generiert. Total witzig!

 

19.1.10 10:48




Filmphilosophie (3): Der mit dem Schlumpf tanzt

"Avatar" ist der Pocahontas-Mythos im Terminator-Look.


Der Film war lang, brauchte aber diese Länge um wichtige Wendepunkte der Geschichte vorzubereiten. Insgesamt sehr unterhaltsam. Die 3D-Version ist eine Spielerei, die dem Film kein Plus verleiht.


Dass in der Kolonialismus-Kritik sich ein versteckter Neokolonialismus versteckt und der Film den längst bekannten Topos des seine Natur verzerrenden Menschen wiederkäut, soll hier nur erwähnt werden.
Interessant finde ich zwei ganz andere, viel unscheinbarere Dinge:


Die Idee des 'Avatars', also eigentlich die hinduistische Vorstellung der Materialisation eines Gottes, wird im Film durchaus theologisch-spiritistisch aufgenommen. Der 'göttliche' Geist wird aber nicht immateriell gedacht, sondern szientifisch als elektrochemische Kommunikation (im eigentlichen Sinne des Wortes als Zusammenkunft). Die Verbindung, die zwischen allen Geschöpfen auf Pandora besteht ist eine heilige und biochemische. Die Fleischwerdung des 'heiligen Geistes' ist in "Avatar" der Initiationsritus der Kommunion.


Die Idee des Avatars wird auch technisiert auf der Seite der Menschen vorgeführt: Die prothetischen Kampfanzüge, die Cameron bereits in "Aliens" vorstellte - hier noch als Laderoboter - sind ebenfalls Avatare, die die Unzulänglichkeiten der menschlichen Physis ausgleichen und ihm einen anderen Körper geben.
23.12.09 03:40


Weihnachten im Ruhrpott

Treffen sich zwei Rosinen. Die eine hat einen Helm auf. Die andere: "Warum hast du einen Helm auf? Was soll der Quatsch?" Die andere: "Ich muss heute noch in 'nen Stollen!"
20.12.09 16:21


Jodelschnepfe, Winselstute.

In einem bekannten Sketch, in dem sich zwei Ehepaare zunächst ein fiktives Dessert namens 'Kosakenzipfel' gönnen, später es aber vehement für sich einfordern, werfen sich die beiden erregten Ehefrauen, gespielt von Evelyn Hamann und Gerda Gmelin, diese obigen Maledikta an den Kopf. Ein Feuerwerk von Gift und Galle.

In ähnlicher Weise zischte und knallte es vor einigen Tagen auch zwischen dem Frankfurter Professor Honneth und dem Karlsruher Freigeist Sloterdijk. Honneth, letzte Bastion der kritischen Theorie und Schüler von Habermas, warf Sloterdijk vor, er habe in seinem in der FAZ veröffentlichten Artikel zum Kapitalismus sein wahres Gesicht gezeigt - eine hässliche, neoliberale Fratze, die das Ende des Sozialstaats heraufbeschwört.

Dass Honneth mehrere Tausend Seiten im Rückstand sei, so Sloterdijk, weil er seine Werke nicht kenne, mag wohl richtig sein, doch die fadenscheinige Ausrede, die ZEIT-Leser kennen nicht den FAZ-Artikel, mit der Sloterdijk das Angebot der ZEIT ablehnte, einen Schlagabtausch über mehrere Runden abzudrucken - ein Diskurs wie zwischen Habermas und Luhmann oder Adorno und Popper -, zeugt davon, dass selbst gestandene Philosophen nicht in der Lage sind, vernünftig zu diskutieren.

Dabei geht es hier um weit mehr, als nur um ein gutes Gespräch. Der Dialog zwischen Nietzsche-Anhängern und Linkshegelianern könnte so fruchtbar sein. Aber die Aussichten sind schlecht. So weit ich weiß, sprachen die Ehepaare Hoppenstedt und Pröhl nie wieder miteinander - und das nur wegen eines Kosakenzipfels.

27.10.09 00:06


Fernsehabgesang

Ich hab den deutschen Fernsehpreis verpasst. Eine Show, die versucht wie die Oscar-Verleihung zu wirken, aber eigentlich nur eine große Selbstbeweihräucherung einer Branche ist, die kaum innovatives Potenzial verzeichnet. Das einzige was ich mir im Fernsehen (regelmäßig) anschauen kann, sind die 'Simpsons'.

Deutsche Fernsehserien laufen den amerikanischen Fernsehkonzepten hinterher. Der Fernsehpreis für die beste Serie ging letztes Jahr an 'Doctors Diary', ein feminisierte Version von 'Scrubs' . Jede deutsche Ärzte-Serie ist eine schlechte Kopie von 'ER'. Dem deutschen Fernsehen fehlt der Mut zu neuen Sendeformaten. Während amerikanische Fernsehsender Sendungen wie 'Akte X' oder 'Friends' - Serien mit weltweitem Erfolg produzieren - bringt das deutsche Fernsehen Serien wie 'Derrik' und 'Alarm für Corbra 11'.

Das Fernsehen ist nicht tot. Seine Macher sind einfach feige, innovative Neuerungen zu erproben. Statt wie MTV in 80er und 90er Jahren schräge Cartoons wie 'Aeon Flux' ins Sendeprogramm zu übernehmen, bringt VIVA jamba-Klingelton Werbung und schlecht moderierte Call-In Shows mit dämlichen Rätseln auf Flipcharts am laufenden Band.

Der Kritik von Reich-Ranicki kann ich also nur zustimmen: Es gibt nur wenige intelligent gemachte und innovative Sendeformate im Fernsehen. Seit 10 Jahren lassen wir uns von Jauch unsere Blödheit in einer Quizshow vorführen (die andere Sender billig kopieren). Seit Jahren kann ich von einer Kochshow in die nächste schalten und mich vollquatschen lassen, weil das Fernsehen eben nur zwei der fünf Sinne anspricht, was beim kochen ziemlich anödet (Genial dagegen ist die Serie: Silent Cooking). Die abendlichen Politik-Talkshows desavouiren inzwischen mehr die Beschränktheit ihrer Moderatoren als ihrer Gäste. Schönes Beispiel:

Das Video ist zugegebenermaßen etwas lang, aber es lohnt sich! Wer es nicht ertragen kann - ich war auch ungeduldig -, der kann ab 8:50 zusehen. Peter Sloterdijk sitzt in einer Gruppe von Leuten ohne 'intellektuelles Profil' die diskutieren wie am Stammtisch ...


Ein Freund hat mich bei meinen Thesen darauf hingewiesen, dass das amerikanische Fernsehen keine Öffentlich-rechtlichen Fernsehanstalten kennt und hauptsächlich sich aus Pay-TV Sendern zusammensetzt. Ganz ehrlich: Für gute Filme geh' ich ins Kino oder leih sie mir in der Videothek. Für gute Serien würde ich monatlich bezahlen. Mein Fazit: Weg mit dem Privatfernsehen, ausgewogenes Programm bei den öffentlich-rechtlichen (Informationsversorgen) und sonst Pay-TV.

Ob das Fernsehen nun Schrott ist oder nicht, hängt ja auch vom Geschmack ab ... und der wiederum - so Bourdieu in die 'Feinen Unterschiede' - vom sozialen Umfeld. Ach, was wäre die deutsche Fernsehlandschaft ohne das Unterschichtenfernsehen auf RTL2 und die Stefan-Raab-Allein Unterhaltung für aufstrebende Jungkonservative nach dem Abitur.

29.9.09 04:17


Lebende Tote im Billyregal.

Bisher habe ich meine Bücher immer nach dem Kriterium "Gelesen/ (noch) nicht gelesen" sortiert. Die gelesen Bücher reihte ich in meinem Billyregal fein säuberlich auf, so als sein sie Trophäen vergangener Abenteuer. Die ungelesen Bücher stapelten sich chaotisch in einem anderen Schrank, so dass sie deutlich als noch zu bearbeitende Massenware zu erkennen waren. Mein System geriet ins Trudeln, als ich immer mehr Bücher anfing, aber nicht zu Ende las oder nur in einige Kapitel hineinschaute, Zeilen anstrich, dann aber die Lust, das Interesse oder die Zeit nicht mehr hatte, um meine akribische Lektüre fortzusetzen. Das war lange Zeit ein Problem für mich. Ich hatte ein schlechtes Gewissen, wenn ich ein neues Buch in die Hand nahm, weil zuhause unfertig gelesene Bücher auf ihren Blattschuss warteten. Ich merkte aber, dass ich über viele Bücher, die ich gelesen hatte, nicht mehr sagen konnte, als dass ich sie mal vor langer Zeit gelesen hatte. Ihre Geschichten und Thesen waren mir ebenso wenig präsent wie die der ungelesenen Bücher. Mein erster Gedanke war, dass nun zu den ungelesen Büchern, die hinzu kämen, die ich gelesen, aber wieder vergessen hatte. Frustrierend. Die Trophäen waren von der Wand geklettert. Die lebenden Toten im Bücherregal.

Umberto Eco schrieb mal in seinen Streichholzbriefen, dass man Bücher sammeln oder lesen könne. Ein Freund von mir verschenkt deshalb alle Bücher, die er gelesen hat. Platzverschwendung, sagt er. Warum soll ich mir Bücher, die ich gelesen habe, ins Regal stellen?

Sie stehen dort, um noch einmal gelesen zu werden. Deshalb gibt es Bibliotheken. Mit jeder Lektüre verändert sich der Text, verschiebt sich das Verständnis und lässt Erinnerungen an die vorherige Lektüre wach werden. Was habe ich erlebt, als ich dieses Buch zum ersten mal las, was habe ich mir bei dieser seltsamen Marginalien gedacht.

Mit dieser Einsicht ist auch mein System der gelesen und ungelesenen Bücher ad absurdum geführt, weil jedes Buch prinzipiell ungelesen ist. Keine Leküre kann einen Text jemals vollständig erfassen und gute Bücher zwingen den Leser dazu, sie mehrfach zu lesen. Wieder und wieder.

22.8.09 04:00


Drucker sind Arschlöcher!

Mal abgesehen davon, dass der Akku meines Laptops kaputt ist und er deshalb einfach ausgeht, wenn der Netzstecker hinten abgezogen wird, bin ich sehr zufrieden mit meinem Computer.

Vor einigen Wochen habe ich mir einen Laser-Drucker gekauft. Schöne Ausdrucke. Auch auf Folien. Mit dem neuen Toner hat sich das allerdings geändert. In willkürlichen Abständen zieht er lange schwarze Balken über meine Texte, so als wolle er sie zensieren. Er staut Papier an Stellen wo ich nur mir langen spitzen Gegenständen dran komme.

 

18.8.09 16:58


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